Insolvenz in England

Der Weg nach England und Wales, wo der Schuldner bereits nach einem Jahr Restschuldbefreiung erlangen kann, scheint trotz der (halbherzigen) Bemühungen des deutschen Gesetzgebers, die im internationalen Vergleich lange Dauer bis zum Neustart abzukürzen, immer noch der einzige praktisch gangbare Ausweg für Unternehmer, um statt nach etwa 10 Jahren bereits nach einem Jahr wieder am Wirtschaftsleben teilnehmen zu können.

Dabei wird allerdings häufig übersehen, dass auch das deutsche Recht mittlerweile effiziente Möglichkeiten bereithält, Insolvenzlagen zügig zu beseitigen und Unternehmen zu sanieren, ohne dass man hierfür ein bis zu sechs Jahre dauerndes Insolvenzverfahren durchlaufen muss. Ferner wird übersehen, dass die englische Restschuldbefreiung nicht gefahrlos ist – insbesondere nicht für die Schuldner, die ihren Wohnsitz (genauer: Center of Main Interest) in Wahrheit nur zum Schein nach England oder Wales verlegen und sich darauf verlassen, dass eine solche erschlichene Restschuldbefreiung bestandskräftig ist. Das ist sie in Wahrheit nicht. Denn das englische Insolvenzgericht kann seine Entscheidung ohne zeitliche Begrenzung wieder annullieren, wenn es irgendwann später zu der Auffassung gelangt, dass es das Insolvenzverfahren nie hätte eröffnen dürfen, weil der Schuldner seinerzeit seinen Wohnsitz in Wahrheit nicht in England hatte.

Daher gehört es zu einer wirtschaftlich sinnvollen Beratung des Mandanten, ihm anhand der ihm in Deutschland zur Verfügung bestehenden Möglichkeiten aufzuzeigen, ob die erhebliche Kosten eines englischen Insolvenzverfahrens (mind. EUR 20.000, bei manchen Anbietern EUR 50.000 und mehr) für ihn wirklich die sinnvollste Lösung sind.